Schulungsfahrt, Überwachungsfahrt, Prüfungsfahrt
Warum die Unterscheidung am Simulator über den Nutzen entscheidet
Seit dem 01.01.2025 ist der Simulator in Teilen der Tf-Ausbildung und -Prüfung vorgeschrieben. Für die Planung stellt sich deshalb nicht mehr nur die Frage, ob ein Simulator eingesetzt wird – sondern vor allem, mit welchem Ziel.
Simulator: Qualifizierung und Überwachung
ca. 6 Min. Lesedauer
Dieser Beitrag richtet sich an alle, die in einem Eisenbahnverkehrsunternehmen Qualifizierung planen oder verantworten – von Personalentwicklung und Ausbildungsleitung über Eisenbahnbetriebsleitung und örtlich Beauftragte bis zur Disposition.
Simulatortraining wird häufig wie ein einziges Produkt behandelt. Tatsächlich können dahinter sehr unterschiedliche Ziele stehen: lernen, Kompetenz einschätzen oder eine formale Prüfung durchführen. Wer das nicht vorab trennt, riskiert ein Format, das nicht zum Anlass passt.
Nach dem Lesen soll klar sein, welche Fahrtform zu welchem Anlass passt und welche Punkte vor einer Buchung sinnvollerweise geklärt werden sollten.
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BahnWissen kompakt
Drei Fahrtformen, drei Ziele
Schulungsfahrt, Überwachungsfahrt und Prüfungsfahrt unterscheiden sich vor allem durch Ziel, Bewertung und Konsequenz von Fehlern.
Der Simulator macht Seltenes planbar
Störungen, Notfallsituationen oder besondere Betriebszustände lassen sich gezielt einsteuern und wiederholen.
Auswertung gehört dazu
Erst die strukturierte Nachbesprechung macht aus einer gefahrenen Simulation einen nachvollziehbaren Lern- oder Bewertungsprozess.






















Zusammenfassung
Der Simulator ist dann besonders wirksam, wenn vorab feststeht, was am Ende erreicht oder festgestellt werden soll. Die Schulungsfahrt dient dem Lernen und Üben. Die Überwachungsfahrt liefert eine strukturierte Einschätzung des Kompetenzstands. Die Prüfungsfahrt dient dem formalen Nachweis unter Prüfungsbedingungen. Alle drei Formate benötigen eine klare Zielsetzung, passende Szenarien und eine nachvollziehbare Dokumentation.
Warum das Thema gerade jetzt wichtig ist
Seit dem 01.01.2025 ist beim erstmaligen Erwerb der Zusatzbescheinigung Klasse B während der Ausbildung die praktische Nutzung von Simulatoren zur Übung außergewöhnlicher Situationen und seltener Regeln nach Anlage 8 TfV vorgeschrieben. Ebenfalls seit diesem Zeitpunkt ist ein Teil der praktischen Prüfung zur Zusatzbescheinigung Klasse B am Simulator zu absolvieren.
Auch darüber hinaus gewinnt der Simulator in Ausbildung und Prüfung an Bedeutung. Für EVU rückt er damit stärker in die Jahres-, Personal- und Budgetplanung.
Gleichzeitig bleibt die betriebliche Herausforderung dieselbe: Gerade seltene oder sicherheitsrelevante Situationen treten im Alltag nicht planbar auf. Ein Triebfahrzeugführer kann lange im Regelbetrieb unterwegs sein, ohne bestimmte Störungen oder außergewöhnliche Situationen tatsächlich zu erleben. Der Simulator schafft hier keinen Ersatz für reale Betriebserfahrung – aber die Möglichkeit, solche Situationen gezielt, sicher und wiederholbar zu trainieren.
Die drei Fahrtformen im Vergleich
Fahrtform | Ziel | Umgang mit Fehlern | Typische Anlässe |
Schulungs- fahrt | Lernen, vertiefen und ausprobieren | Fehler sind Lernanlässe; Eingreifen und Wiederholen ist möglich | Ausbildung, neue Verfahren, Zugbeeinflussung, Signalsysteme, seltene Situationen |
Überwachungs- fahrt | Kompetenzstand strukturiert einschätzen | Fehler werden dokumentiert und ausgewertet; bei Bedarf kann eingegriffen werden | Standortbestimmung, gezielte Überwachung, Vorbereitung weiterer Qualifizierungsmaßnahmen |
Prüfungs- fahrt | Formalen Leistungs- bzw. Kompetenznachweis erbringen | Bewertung nach den festgelegten Prüfungsregeln; sicherheitskritische Fehler können zum Abbruch führen | Prüfung nach den einschlägigen Vorgaben |
So läuft eine Simulatorfahrt ab
Der genaue Umfang hängt vom gewählten Format ab. Bewährt hat sich jedoch ein klarer Ablauf mit vier Schritten:
- Kurze Einweisung: Bedienung, Ablauf, Zielsetzung und organisatorische Rahmenbedingungen klären.
- Eingewöhnung: Die Teilnehmenden lernen Fahrzeug, Bedienung und Simulationsumgebung kennen. So wird vermieden, dass ungewohnte Technik das spätere Ergebnis verfälscht.
- Eigentliche Fahrt: Durchführung als Schulungs-, Überwachungs- oder Prüfungsfahrt mit den vorab festgelegten Szenarien.
- Abschlussreflexion: Protokoll auswerten, Entscheidungen und Reaktionen besprechen und – soweit vorgesehen – Folgemaßnahmen ableiten.
Worauf ihr bei der Planung achten solltet
- Anlass zuerst, Format danach. Klärt intern, ob ihr entwickeln, einschätzen oder nachweisen wollt. Daraus ergibt sich die passende Fahrtform.
- Szenarien aus dem tatsächlichen Bedarf ableiten. Nutzt Ereignisse, Rückmeldungen aus der Ausbildung, Fahrdatenauswertungen oder bekannte Unsicherheiten als Grundlage. Zusätzlich sollten Teilnehmende eigene Themen benennen können.
- Gruppengröße realistisch planen. Am festen Simulator in Hannover sollten bei Schulungs- und Überwachungsfahrten nicht mehr als fünf Personen gleichzeitig eingeplant werden. Während eine Person fährt, können die anderen die Fahrt am Beobachtungsplatz mitverfolgen und anschließend in die Auswertung einbezogen werden. Prüfungsfahrten finden im Einzeltermin statt.
- Dauer früh abstimmen. Bei Schulungs- und Überwachungsfahrten richtet sich der Zeitbedarf nach Ziel, Szenarien und Teilnehmerzahl. Prüfungsfahrten werden entsprechend der jeweiligen Vorgaben geplant.
- Fahrzeug, Strecke und Systeme abgleichen. Vor der Maßnahme sollte geklärt werden, welches Fahrzeug, welches Signalsystem, welche Zugbeeinflussung und gegebenenfalls welche Strecke für den Trainingszweck relevant sind.
- Ort und Logistik klären. Neben dem festen Standort in Hannover können mobile Simulatorlösungen sinnvoll sein. Dadurch lässt sich der Schulungsaufwand insbesondere bei größeren Gruppen oder langen Anfahrten reduzieren.
- Dokumentation vorher festlegen. Klärt bereits vorab, welche Protokolle, Teilnahmebestätigungen, Zertifikate oder internen Nachweise benötigt werden und wer die Ergebnisse im Unternehmen erhält bzw. weiterbearbeitet.
Typische Fehler und Herausforderungen
- Überwachungsfahrt wie eine Prüfung behandeln. Wenn Zweck und mögliche Konsequenzen nicht transparent sind, verändert sich das Verhalten der Teilnehmenden. Das kann die Aussagekraft einer Standortbestimmung einschränken.
- Nur fahren, aber nicht auswerten. Die Nachbesprechung darf nicht zum Restpunkt am Tagesende werden. Sie ist ein eigenständiger Teil der Maßnahme.
- Zu viele Teilnehmende in einen Termin packen. Mit wachsender Gruppengröße steigen Wartezeiten und Ablenkung. Der Beobachtungsplatz funktioniert nur dann als Lernort, wenn die Gruppe aktiv einbezogen wird.
- Szenarien ohne konkreten Bezug auswählen. Eine lange Liste spektakulärer Störungen ist nicht automatisch ein gutes Training. Entscheidend ist, ob die Situationen zum betrieblichen Bedarf passen.
- Simulator als Ersatz für reale Betriebspraxis verstehen. Der Simulator ergänzt die Ausbildung und Überwachung. Streckenkenntnis, betriebliche Einweisung und praktische Erfahrung im realen Betrieb bleiben eigenständige Bestandteile.
- Zu spät planen. Teilnehmerfreistellung, Prüfer bzw. Instruktoren, Simulatorverfügbarkeit und gegebenenfalls feste Einzeltermine müssen zusammenpassen. Frühzeitige Planung schafft deutlich mehr Spielraum.
Was sich in der Praxis bewährt hat
Ein Simulatortraining ist besonders dann sinnvoll, wenn die Inhalte nicht pauschal festgelegt werden. Vor der Maßnahme sollte deshalb geklärt werden, welche Situationen im Unternehmen tatsächlich relevant sind.
Anhaltspunkte können zum Beispiel Auffälligkeiten aus Fahrdatenauswertungen, Ereignisse aus dem Betrieb, Rückmeldungen von Ausbildern oder Unsicherheiten der Triebfahrzeugführer selbst sein. Daraus lassen sich gezielt Szenarien für die Simulatorfahrt ableiten.
Auch die Beobachterrolle kann bewusst genutzt werden: Wer eine Fahrt vom Instruktorplatz aus verfolgt, kann Entscheidungen und Reaktionen mit etwas Abstand betrachten. In der anschließenden Besprechung entsteht daraus ein zusätzlicher Lernanlass für die gesamte Gruppe.
Besonders wertvoll wird die Auswertung, wenn nicht nur einzelne Fahrten betrachtet werden. Zeigen mehrere Teilnehmende bei demselben Thema Unsicherheiten, kann das auf einen allgemeinen Qualifizierungsbedarf hinweisen. Einzelne Auffälligkeiten lassen sich dagegen gezielt mit dem jeweiligen Mitarbeiter weiterbearbeiten.
So wird der Simulator nicht einfach „abgefahren“, sondern als Bestandteil des betrieblichen Kompetenzmanagements genutzt.
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Praxistipp ›
Formuliert vor der Anfrage einen einzigen Zielsatz.
Zum Beispiel: „Wir wollen einschätzen, wie sicher unsere zwölf Tf mit gestörten Bahnübergängen und Gegengleisfahrten umgehen, bevor der Fahrplanwechsel kommt.“
Aus diesem Satz lassen sich Fahrtform, Szenarien, Gruppengröße, Zeitbedarf und Dokumentation wesentlich leichter ableiten. Bei zwölf Teilnehmenden wären bei einer Gruppengröße von höchstens fünf Personen mindestens drei Termine einzuplanen.
Bahnservice Baron ist eine vom Eisenbahn-Bundesamt anerkannte Ausbildungs- und Prüfungsorganisation. Simulatorleistungen können am festen Standort in Hannover oder – je nach Anforderung – mobil beim Unternehmen durchgeführt werden.
Je nach Zielsetzung können unter anderem unterschiedliche Fahrzeuge, Signalsysteme und Zugbeeinflussungssysteme in die Planung einbezogen werden. Ergänzend kann die Fahrdatenauswertung genutzt werden, um Erkenntnisse aus dem realen Betrieb mit Beobachtungen aus Simulatorfahrten zusammenzuführen.
Da sich Teilnehmerzahl, Umfang und Szenarien von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden, wird die Maßnahme anhand der konkreten Anforderung geplant und angeboten.
